12.03.2018

Neue, geschlechterspezifische Wege in der Medizin


Männer und Frauen sind anders – auch wenn sie krank werden

Im Rahmen der Vortragsreihe „Gesundheit erleben“ informiert Dr. Christiane Jochum, Leiterin Angiologie / Gefäßzentrum über neue, geschlechtsspezifische Wege bei der Diagnostik, Therapie und Vorbeugung von Herz- und Kreislauferkrankungen. Dabei stehen unterschiedliche Behandlungsmethoden von Gefäßkrankheiten und -entzündungen bei Mann und Frau im Mittelpunkt. Denn Männer und Frauen sind anders – auch wenn sie krank sind! Die Veranstaltung findet am Montag, 9. April um 18 Uhr in der Verwaltungsetage der Klinik Sulzbach statt.

Seit Beginn der 90iger Jahre beschäftigen sich Wissenschaftler mit den Unterschieden in der Medizin zwischen Frauen und Männern. Frauen zeigen oft ganz andere Symptome bei verschiedenen Erkrankungen, werden erst viel später als „Notfall“ behandelt und reagieren anders als Männer auf Medikamente.

Unterschiedliche Symptome bei Krankheiten


Zahlreiche wissenschaftliche Studien wurden in der Vergangenheit in erster Linie mit männlichen Probanden durchgeführt. Dadurch spiegeln die Ergebnisse eher die Situation der Männer wieder. Die Symptomatik, die beide Geschlechter für dieselbe Erkrankung beschreiben, ist oft sehr unterschiedlich. „Beispielsweise äußern Frauen die Beschwerden eines Herzinfarktes anders als Männer. Sie klagen häufig über Übelkeit, Unwohlsein, Schweißausbrüche, Oberbauch- oder Rückenschmerzen. Die Beschwerden werden deshalb leichter fehlgedeutet und führen oft verspätet zur korrekten Behandlung. So sterben Frauen auch häufiger an den direkten Folgen eines Infarktes“, erläutert Dr. Christiane Jochum.
Daher ist es wichtig, die geschlechtsspezifischen Unterschiede bei Diagnose, Therapie und Vorbeugung von Erkrankungen zu berücksichtigen. „Das gilt nicht nur für den Herzinfarkt, sondern auch bei Diabetes, Schlaganfall, Gefäßentzündungen, Autoimmun- und psychischen Erkrankungen. Geschlechtsspezifische Unterschiede in der Behandlung spielen hierbei eine wesentliche Rolle“, erklärt Dr. Jochum. So zeigt auch Nikotin als Risikofaktor für Herz- und Kreislauferkrankungen andere Auswirkungen bei Männern als bei Frauen.
Auch die Reaktionen auf einzelne Arzneimittel sind unterschiedlich, da sich die Substanzen im Körper anders verteilen und abgebaut werden. Daher treten „Nebenwirkungen“ häufiger bei Frauen auf. Unterschiede gibt es z. B. für den bekannten Wirkstoff Digitalis, der zur Behandlung von chronischer Herzschwäche eingesetzt wird, wie bei dem Präparat ASS, das der Blutverdünnung dient.

Psychische und seelische Faktoren – bei Frauen sehr wichtig


Gender-Medizin hat neben den biologischen Aspekten, die Männer und Frauen unterscheiden, auch die sozialen und psychischen Elemente im Blick. Männer fühlen sich laut Umfragen häufig gesünder, nehmen weniger Vorsorgeuntersuchungen wahr, sterben im Durchschnitt aber 5 Jahre früher als Frauen. Hingegen sind Frauen in Bezug auf Gesundheit eher pessimistischer, haben mehr Arztkontakte und nehmen mehr Medikamente ein. Sie leiden jedoch häufiger an chronischen Erkrankungen und Bewegungseinschränkungen als Männer. „Die Zahl der Unterschiede ist gewaltig. In diesem neuen Forschungszweig erwarten wir in den kommenden Jahren noch spannende Erkenntnisse“, ergänzt Dr. Christiane Jochum.
In Ihrem Vortrag wird die Leiterin des Gefäßzentrums Püttlingen gerne auch Fragen der Besucher beantworten.


Weitere Informationen zur Vortragsreihe finden Sie unter www.kksaar.de.